Infostand des MCFA am 2. Sonntag im September

Zum 2. Mal beteiligt sich unser Club am Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung auf dem Marx-Engels-Forum - gegenüber Rotes Rathaus. Mit mehr als 500 Organisationen, Parteien und Initiativen seit 1990 unterstützen wir den Aufruf der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) zum diesjährigen Aktionstag gegen Rassismus, Neonazismus und Krieg.

Am Stand werben wir mit unserem Flyer für neue Mitglieder, bieten T-Shirts, Sticker und Aufkleber an und informieren über bereits durchgeführte Antifa-Rundfahrten. Zum 16. September laden wir Interessierte zu einer neuerlichen Antifa-Stadtrundfahrt mit Motorrädern ein. Thema diesmal: Russen in Berlin - zur Geschichte der russischen Besatzungsmacht unter ihrem 1. Stadtkommandanten Nikolai E. Bersarin.

Einiges zur Geschichte des Gedenktages am 2. Sonntag im September: Überlebende aus Konzentrationslagern und Haftstätten initiierten bereits wenige Wochen nach der Befreiung einen Tag der Opfer des Faschismus (OdF-Tag), der am 2. Sonntag im September 1945 als Massen-Gedächtnisfeier in der Werner-Seelenbinder-Kampfbahn in Neukölln stattfand. Aufgerufen dazu hatte der Magistrat der Stadt Berlin, vertreten durch den Hauptausschuss OdF.

Plakat für die Massen-Gedächtnisfeier am 9.9.1945

Von 1946 bis 1948 gründen sich in den Besatzungszonen aus den kommunalen OdF-Betreuungsstellen die Organisationsformen des VVN - in der damaligen Zeit die einzige Verfolgtenorganisation. Zu ihr schließen sich NS-Gegner der verschiedensten Weltanschauungen und Konfessionen sowie aus rassischen Gründen Verfolgte zusammen. Überparteilichkeit und Überkonfessionalität gehören zu ihrem Grundverständnis.

Ab 1948 gerät der OdF-Tag zwischen die Fronten des Kalten Krieges. Der antifaschistische Konsens zerbricht.

Bei einer nach zahlreichen Boykotten am 12.9.1948 stattfindenden OdF-Großkundgebung im Lustgarten ruft Heinz Galinski (Stellv. Vorsitzender der Berliner VVN und späterer Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde) dazu auf, die Einheit über Partei- und Zonengrenzen zu wahren. Mit diesem Appell wendet er sich gegen die zunehmende Diffamierung der VVN und des Gedenktages, zugleich aber auch gegen parteipolitische Einseitigkeit.

In der Bundesrepublik wird in den fünfziger Jahren der Volkstrauertag zum zentralen Gedenktag - allerdings werden Opfer und Täter gleichgesetzt.

Die VVN wird in der BRD kriminalisiert, in der DDR zur stattlichen Institution. Schon 1953 wird sie in der DDR aufgelöst. Der OdF-Tag allerdings lebt weiter - vielfältige Gedenkveranstaltungen in Ost und West belegen dies.

Der 2. Sonntag im September sollte nicht in Konkurrenz zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar oder zum Tag der Befreiung am 8. Mai treten. Sehr wohl aber sollte das kollektive Gedächtnis der Deutschen, das mit Mehrheit bei Opfern aus der NS-Zeit die gefallenen Soldaten, die Opfer des Bombenkriegs auf deutschem Boden und die Opfer von Flucht und Vertreibung assoziiert, geschärft werden mit dem Blick auf die wirklich Verfolgten und Opfer des Naziregimes.

In diesem Sinne sollte der Stein des Anstoßes des MCFA zur Erinnerung an die ermordeten Sinti und Roma und unser Info-Stand am 2. Sonntag im September wirken.