Der MC Friedrich Angels (MCFA) Berlin besteht seit 1980 als Interessengemeinschaft politisch engagierter MotorradfahrerInnen. Bei stetig wachsender Mitgliederzahl zählt der Club derzeit ca. 10 Frauen und 40 Männer. Seit 1990 arbeitet innerhalb des Clubs eine Antifa-AG Touren aus, die uns bisher dreimal auf Strecken der Todesmärsche in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie nach Buchenwald, Nordhausen-Dora, Sachsenhausen, Ravensbrück und mit großer Beteiligung nach Auschwitz geführt haben. Insbesondere im Vernichtungslager Auschwitz ist uns klargeworden, dass es viele unbeachtete und vergessene Opfergruppen des Naziregimes und wenig bekannte Geschehnisse gibt, an die wir erinnern können.
Der MCFA hat sich zusammen mit anderen schon früh gegen die Neue Wache Unter den Linden als Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland ausgesprochen, weil wir eine Gleichmachung von Opfern und Tätern nicht hinnehmen wollen. Dennoch können wir dem Text einer später angebrachten Gedenktafel inhaltlich zustimmen, in dem es heißt:
Wir gedenken der Millionen ermordeter Juden / Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma / Wir gedenken aller, die umgebracht wurden wegen ihrer Abstammung, ihrer Homosexualität oder wegen Kranheit und Schwäche / Wir gedenken aller Ermordeten, deren Recht auf Leben geleugnet wurde.
Gerade diese vergessenen Opfergruppen sind es, derer wir mit unserer Antifa-Stadtrundfahrt gedenken wollen.
Wir haben diese Dokumentation erstellt, welche die Gedenk-Orte ausführlich beschreibt und die als Lektüre, aber auch als Lehr- und Unterrichtsmaterial verwendet werden kann.
Der Reader wurde ausschließlich von Mitgliedern des MCFA erstellt und ist die Grundlage eine ca. 5-6stündigen Motorrad-Tour innerhalb Berlins. Besonders bedanken möchten wir uns bei den mitwirkenden Künstlern und Dokumentaristen und ganz besonders bei Wolfgang Szepansky und Otto Rosenberg als Zeitzeugen. Eine Zeitzeugin hat sich bei einer unserer ersten Ausfahrt sogar als Sozia aufs Motorrad geschwungen und ist mitgefahren, womit wir eigentlich beim Thema wären...
Aus der Vielzahl vergessener Gedenk-Orte haben wir einige ausgewählt, die für die Opfergruppen bedeutsam sind, denen wir alle das Gedenken schuldig sind.
Da wir nach der ersten Fahrt am 4.10.1998 feststellen konnten, daß unser Anliegen von vielen MotorradfahrerInnen angenommen wird, wollen wir mindestens einmal im Jahr und ggf. auf Nachfrage eine solche Gedenkfahrt veranstalten. Ergänzend zur Zusammenarbeit mit unverzichtbaren Zeitzeugen/innen können wir uns auch eine Kooperation mit Vereinen und Institutionen wie z.B. Aktives Museum, Liga für Menschenrechte, Aktion Sühnezeichen, VVN oder BdA oder der VHS Wedding vorstellen.
Die Route und die Auswahl der Gedenk-Orte ist im Fahrt-Reader beschrieben, der zu jeder Ausfahrt hergestellt wird. Die vorliegende Dokumentation beschreibt alle Orte und liefert den historischen Hintergund, somit kann alles nachgelesen werden. Diese Dokumentation ist keine wissenschaftliche Arbeit, sondern stützt sich auf vorhandene Literatur und vor allem auf Angaben von Zeitzeugen/innen. Es können durchaus andere Sichtweisen zu bestimmten Fragen bestehen. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und unser Ergebnis wiedergegeben.Wir sind für Anregungen und Hinweise immer dankbar.
Eine andere Art, sich mit den Gedenkorten zu beschäftigen, ist das Geocaching.
Im Jahr 2004 probierten wir mal etwas Anderes: der MCFA ludt ein zum Künstlerisch-Literarischen Streifzug durch Berlin, bei der am 19. September 2004 die folgenden Orte angefahren wurden:
Im Jahr 2007 gedachten wir auf einer Geschichtsfahrt der Kapitulation 1945. Diese Fahrt war dem Gedenken an den 1. Stadtkommandanten Nikolaj E. Bersarin gewidmet.
Seit Beginn der Antifa-Stadtfahrten haben wir viele Gedenkorte (Wohn- und Arbeitsstätten, Museen, Schauplätze historischer Ereignisse, etc.), aber auch Sterbeorte und Grabstätten mutiger Männer und Frauen besichtigt, die im Kampf gegen den deutschen Faschismus ihr Leben riskierten. Während unserer Stadtfahrt im Jahre 2009 haben wir ihre Gräber besucht und sie dadurch gewürdigt.
Natürlich haben wir auch Grabstätten solcher Menschen besucht, die nicht unmittelbar in dieser unseligen Zeit gekämpft haben und gestorben sind; wichtig war es uns, ihre Taten und ihr Wirken in den geschichtlichen Ablauf einzuordnen.
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