Die Grunewald-Rampe: Gleis 17 am Bahnhof Grunewald

von Boxer-Dieter

Viehwaggons an der Grunewald-Rampe
Viehwaggons an der Grunewald-Rampe

Lange Zeit nach 1945 wurde kaum auf die schreckliche Rolle des Bahnhof Grunewald in der NS-Zeit hingewiesen. Für Zehntausende jüdischer Mitbürger wurde er (neben dem Lehrter Bahnhof und Bahnhof Putlitzbrücke) Verladestelle auf dem Weg in die Konzentrations- und Vernichtungslager. 1899 eröffnet, hatte er zunächst die Funktion, Berliner Ausflügler in den Grunewald zu bringen. Schon bald wurde der Güter- und der Personenbahnhof vom Militär genutzt und hieß im Volksmund schnell Kanonenbahn. Hildegard Henkel, die Frau des damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlins, berichtet über den Beginn einer furchtbaren Zeit:

Am 18. Oktober 1941 begann am Vormittag die sogenannte Ausschleusung aus dem Sammellager und die Verbringung der Transportteilnehmer nach dem Bahnhof Grunewald bei strömenden Regen. Die SS hatte ihre offenen Lastwagen vorfahren lassen, teils waren es Stehtrucks, diese Lastwagen durften aber nur Schwache und Kinder benutzen, alle Anderen mussten in einem langen Zug durch die Straßen laufen. ... Die SS, zum Teil mit Reitpeitschen versehen, überwachten die Einwaggonierung.

Die bis Februar 45 andauernden Massentransporte waren für die Reichsbahn eine zusätzliche Einnahmequelle. Im ersten Jahr wurde ein Tarif in der 3. Klasse berechnet, ab 1943 konnte die SS für Transporte in Viehwaggons bei mindestens 400 Personen Sondertarife aushandeln, Kinder unter 4 Jahren wurden kostenlos befördert.

Eine erste Gedenktafel wurde 1973 vom Bund politisch, rassisch und religiös Verfolgter am Signalhaus der Verladerampe Gleis 17 nach einer Stiftung durch die Familie Braun angebracht:

Zum Gedenken an die Zehntausende jüdischer Mitbürger Berlins, die seit Februar 1943 von hier aus von den Nazihenkern in die Todeslager deportiert wurden.

1986 wurde diese Gedenktafel und eine weitere provisorische Tafel gestohlen. 1987 wurde vom Berliner Senat ein Wettbewerb für eine Gedenkstätte jüdischer Verfolgter und Deportierter ausgeschrieben.

Die Stele und das Mahnmal wurden 1988 eingeweiht. Nach hitzigen Debatten über die Mitschuld der Reichsbahn an den Massentransporten erstellte die Deutsche Bundesbahn 1997/98 auf dem Verladegleis 17 einen beeindruckenden Gedenkort.

Aus dem jüdischen Klagelied Elmale rachamin:

Barmherziger Gott, der du in den Höhen thronst, gewährst unseren Brüdern und Schwestern, die ermordet wurden von den Nazis in der Progromnacht, in Auschwitz, Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen, Maidanek, Treblinka, Bergen-Belsen, Theresienstadt, Warschauer Ghetto Ruhe im Schutz deiner göttlichen Heiligkeit.