von Boxer-Dieter
Die viertgrößte Berliner Synagoge wurde in der Schreckensnacht des 9. November 1938 nur geringfügig beschädigt. Wohl auch deshalb wurde der Jüdischen Gemeinde 1941 aufgetragen, hier eine zentrale Sammelstelle für ca. 1000 zur Deportation vorgesehenen Juden einzurichten.
1939 sind bereits mehr als 100.000 Berliner Juden vor der Unterdrückung ins Ausland geflohen; die in Berlin geblieben sind, müssen unter erbärmlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Seit September 1941 werden sie gezwungen, den Gelben Stern zu tragen. Das Auswandern wird ihnen verboten.
Als am 1. Oktober 1941 die ersten Deportationsanweisungen ergingen, lebten in Berlin noch 72.972 Volljuden im Sinne der Reichsbürgergesetzes, das waren 44,5% aller Rassejuden im damaligen Altreich. Die Deportationen wurden organisiert vom Reichssicherheitshauptamt unter Leitung von SS-Hauptsturmführer Adolf Eichmann.
Gestapo und SS legten besonderen Wert auf die Täuschung der Opfer: Sie sollten an eine bloße Umsiedlung glauben, für die sie selbst die Kosten zu tragen haben. In Fußmärschen mussten die Inhaftierten dann zu den drei Verladebahnhöfen laufen, die nach Osten in die Vernichtungslager führten.
Die Reste der im Krieg stark zerstörten Synagoge wurden 1956 abgerissen. 1960 wurde vom Berliner Senat eine erste Gedenktafel angebracht; erst 1985 wurde vom Berliner Senat ein Wettbewerb zur Errichtung eines großen Mahnmals ausgeschrieben. Der prämierte Entwurf von Wenzel, Herbich und Bappert zeigt eine Rampe und einen Waggon mit Figurationen, die in Eisen geschnürte Menschenpakete abstrakt darstellen. Dahinter eine Schwelle mit gusseisernen Reliefs aller 36 Berliner Vereins- und Gemeindesynagogen, die die ausgelöschte preussischjüdische Kultur symbolisieren sollen.
Eine Stahlschrifttafel zeigt alle von hier erfolgten Osttransporte sowie alle sog. Alterstransporte nach Theresienstadt. Von Oktober 1941 bis April 1945 wurden in 63 Osttransporten über 30.000 Berliner Juden in die Vernichtungslager im Osten verschleppt. Etwa 15.000 jüdische Menschen wurden in 117 Alterstransporten von Berlin nach Theresienstadt transportiert.