Ein Beitrag zum Besuch am 18. November 2006
von Boxer-Dieter.
Das Olympiagelände einschließlich Olympiastadion, Maifeld und
Glockenturm, Reichssportfeld und Haus des Deutschen Sports in der
Friedrich-Friesen-Allee muss als Teil der Speerschen/Hitlerschen Planungen
zur Errichtung einer zukünftigen
Welthauptstadt des Großgermanischen Reiches gesehen werden.
Über die versetzte Sieggessäule, die Adolf-Hitler-Allee (spätere
Bismarckstraße/Kaiserdamm) mit ihren Speerschen Leuchten, den
Adolf-Hitler-Platz (früher Reichskanzlerplatz/heute Theodor-Heuss-Platz),
die Heerstraße, die geplante Hochschulstadt an den Ufern der Havel bis hin
zum Olympischen Dorf in Döberitz/Elstal reichte die Ost/West-Planung des
Architekten des Führers Albert Speer.
Nach kurzen historischen Bemerkungen zum Stadion, zum Maifeld und
Glockenturm möchte ich euch das Umfeld des Olympiageländes an einigen
Beispielen erläutern:
- Bereits 1931 wurden die Sommerspiele für 1936 an Deutschland vergeben.
Propagandistisch avancierte der Bau eines Reichssportfeldes neben dem des
Nürnberger Parteitagsgeländes zum zentralen Großprojekt der
Nationalsozialisten. Ab 1935 verschwanden aus dem Berliner Stadtbild alle
antisemitischen Parolen und den Medien war die Hetzjagd auf Juden für die
Dauer der Spiele untersagt. Am 1. August 1936 eröffnete Hitler von der
heute originalgetreu restaurierten Führerloge aus die 11. Olympischen
Sommerspiele.
- Das für 400.000 Teilnehmer und Zuschauer angelegte Maifeld wird
eingerahmt vom Westwall, in dessen Mitte der 76m hohe Glockenturm
aufragt. Im Sockel befindet sich die Langemarckhalle, die zu Ehren der
2.000 gefallenen Kriegsfreiwilligen (in der Mehrzahl Studenten)
eingerichtet wurde, die am 10. November 1914 nahe Ypern angeblich mit dem
Deutschlandlied auf den Lippen gegen den französichen Feind anrannten
und zusammengeschossen wurden.
- Die von einem deutschen Soldaten durch einen Querschläger beschädigte
Olympiaglocke wurde neu gegossen und steht heute vor dem Haus des
Deutschen Sports.
Und damit zur Umgebung:
- Das Haus des Deutschen Sports beherbergt ein Museum zur Geschichte des
Reichssportfeldes. In die Olympiaglocke sind das Brandenburger Tor, der
Reichsadler mit den Olympischen Ringen in den Krallen, leicht veränderte
Hakenkreuze sowie Schriftzüge, u.a.
Ich rufe die Jugend der Welt eingeprägt.
- Die Waldbühne, geplant als Amphitheater, benannt nach dem NS-Lyriker
Dietrich Eckart, wurde für 20.000 Zuschauer erbaut. Im westlich
angrenzenden Wald gedenken in einer Reihe aufgestellte Straßenspiegel mit
eingravierten Zitaten der am Murellenberg erschossenen Opfer der
nationalsozialistischen Militärjustiz.
-
Die vorgegebene Anfahrt über die Knobelsdorffstraße wird flankiert von
2 monumentalen Straßenblöcken mit Arno-Breker-Steinfiguren eines Arbeiters
und einer deutschen Mutter mit Kind. Über den Steubenplatz mit der Figur
des nackten Knaben mit Ölzweig auf einem Pferd geht die Anfahrt weiter über
die Olympische Brücke mit Nachbildungen der Flaggen aller teilnehmenden
Staaten.
- Der S-Bahnhof Heerstraße sollte als Empfangsbahnhof dienen und nach dem
italienischen Duce Benito Mussolini benannt werden; übrigens beharrte Adolf
auch nicht auf der Benennung des Reichskanzlerplatzes nach ihm, sondern
bot Mussolini die Neubenennung an.
- Unter 13 Mio. m3 Schutt des Teufelsberges befinden sich
die Rohbauten des Hauptgebäudes der 1937 geplanten Wehrtechnischen Fakultät
samt ausgedehnter Bunkeranlagen; später sollte noch ein Heereswaffenamt
dazukommen. Im nahen Grunewald war nach Pariser Vorbild eine Art
Bois de Boulogne mit Reitställen, Restaurants und Erholungsstätten
geplant.
- Das Olympische Dorf wurde wie das Olympiastadion von Werner March
geplant. Den Athleten und Besuchern standen 145 Wohngebäude zur Verfügung,
die nach deutschen Städten benannt und analog der deutschen Landkarte auf
dem Gelände verteilt waren. Der Verein Historia Elstal bietet geführte
Rundgänge an.