Zur Geschichte der Roten Kapelle

von Boxer-Dieter

An dem heute fast unbekannten Ort in der Niederkirchner Straße soll der Widerstandsorganisation Rote Kapelle gedacht werden. In unmittelbarer Nähe, gegenüber dem Gedenk-Ort im damaligen Regierungsviertel, hatte die Prinz-Albrecht-Straße durch die Folterkeller der Geheimen Staatspolizei eine furchtbare Bedeutung.

Im ehemaligen Reichsluftfahrtministerium, heute: Detlef-Rohwedder-Haus, bis '96 Sitz der Treuhandanstalt, arbeitete der Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen gemeinsam mit Arvid Harnack und dessen Frau Mildred als führender Kopf in der - von der Gestapo so benannten - Widerstandsgruppe Rote Kapelle. Der Organisation gehörten Anhänger der illegalen KPD und anderer sozialistischen Gruppen an, daneben aber auch Künstler und Wissenschaftler, die aus humanitären Motiven das NS-Regime bekämpften.

Zu der Gruppe, die den deutschen Teil einer europaweiten Widerstandsorganisation unter Leitung von Leo Trepper bildeten, gehörten noch Liane Berkowitz, Walter Husemann, Adam Kuckhoff, Oda Schottmüller und Maria Terwiel. Nach ihnen sind in Berlin Straßen und Plätze benannt.

Im Haus Hasenheide 61 organisierte das Ehepaar Harnack antifaschistische Schulungskurse und politische Gesprächskreise.

Ab August 1942 erfolgten die Verhaftungen, insgesamt etwa 500. Das Reichskriegsgericht fällte über 50 Todesurteile, die überwiegend in Plötzensee vollstreckt wurden. Allein am 5. August 1943 starben unter dem Fallbeil binnen 40 Minuten 16 Angehörige der Widerstandsgruppe Rote Kapelle (13 Frauen und 3 Männer).

Zu den beklagenswerten Opfern der europaweit wirkenden Widerstandsgruppe gehörten auch Hans und Hilde Coppi, deren Sohn Hans uns umfassend über die Geschichte der Rote Kapelle informierte.