Aktion T4: die Ermordung lebensunwerten Lebens

von Boxer-Dieter

Die in den Bürgersteig eingelassene Bronzetafel erinnert an die Opfer des nationalsozialistischen Euthanasie-Mordprogramms. Die Inschrift ist derart aussagekräftig, daß hier nur ergänzend historisch wichtige Fakten zum Verständnis dieses geplanten Massenmordes genannt werden sollen.

Die planmäßige Erfassung der Patienten aller Heil- und Pflegeanstalten des Deutschen Reiches begann am 9.10.1939 mit der Verschickung von Fragebögen durch das Reichsinnenministerium.

Anhand der gewonnenen Daten entschieden drei der insgesamt etwa dreißig Begutachtungsärzte der Tötungsbehörde in der Tiergartenstraße 4, angeblich auf Anordnung des Reichsverteidigungskommissares, über Leben und Tod von mehr als 200.000 Psychiatriepatienten, kranken Lagerinsassen, verzweifelten oder unangepaßten Menschen.

War anfangs die Zahl der auszumerzenden Menschen mit 65-70.000 festgelegt, kamen ab April 1941 immer neue Menschengruppen zur Selektion und anschließenden Tötung, wie Tuberkulose-Kranke, Arbeitsunwillige oder Arbeitsunfähige, erschöpfte KZ-Häftlinge, Alte und Wohnungslose hinzu.

Die sog. Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten wurde in Form einer Stiftung betrieben und war unmittelbar der Kanzlei des Führers unterstellt. Ab 1942 gab die Tiergartenstraße 4 über 100 ihrer Fachleute zur Endlösung der Judenfrage nach Osten ab. Die ersten Kommandanten der Konzentrationslager von Belzec, Sobibor und Treblinka kamen aus der der T4 und wurden von ihr bezahlt.

Tötungsanstalten, in denen die Kranken in der ersten Phase
der Aktion T4 umgebracht wurden, waren:

Brandenburg: Februar bis September 1940 9.772 Tote
Bernburg: September 40 bis August 41 18.601 Tote
Hadamar: Januar bis August 41 10.072 Tote
Schloss Hartheim: Mai bis August 41 18.269 Tote
Sonnenstein in Pirna: Juni 40 bis August 41 13.720 Tote