von Boxer-Dieter.
Das 1914 erbaute palastartige Haus auf einem 30.000 m2 großen Seegrundstück wurde 1940 an die Stiftung Nordhaus verkauft, die von Reinhard Heydrich mit dem erklärten Ziel gegründet worden war, Erholungsheime für Mitarbeiter des SD, der SS und des RSHA bereitzustellen.
Am 20. Januar 1942 trafen sich hier - wie das von Adolf Eichmann verfasste Protokoll ausweist - hohe Vertreter der Ministerialbürokratie und der SS, um die bürokratische Systematisierung und politische Abstimmung des arbeitsteilig organisierten Massenmords an den europäischen Juden festzuklopfen. In anderen Einrichtungen des RSHA folgten bis 1943 sieben weitere Besprechungen zu organisatorischen Fragen der Endlösung.
Von 1945-47 wirkten hier die sowjetische und amerikanische Besatzungsmacht. 1947 wurde das Haus der SPD als Bildungsstätte übergeben, die das August-Bebel-Institut hier unterbrachte. Von 1952-89 betrieb der Bezirk Neukölln hier ein Schullandheim.
Versuche des jüdischen Historikers und Auschwitz-Überlebenden Joseph Wulf, hier ein Internationales Dokumentationszentrum zur Erforschung des Nationalsozialismus und seiner Folgeerscheinungen ins Leben zu rufen, fanden nicht genügend politische und finanzielle Unterstützung und kamen 1972 zum Erliegen; 1974 nahm Wulf sich das Leben.
Die Einweihung durch einen Trägerverein fand zum 50. Jahrestag der Wannseekonferenz am 20. Januar 1992 statt.